Du zahlst 3.000 Euro und bekommst eine WordPress-Seite mit einem 59-Euro-Template - und merkst es nicht mal. Das passiert häufiger als du denkst. Nicht weil Webdesigner böse Menschen sind. Sondern weil die Branche keine Eintrittsbarriere hat. Jeder kann sich morgen „Webdesigner“ nennen, ein Template kaufen, es mit deinem Logo versehen und eine Rechnung schreiben. Es gibt keinen Meisterbrief, keine Kammer, keine Prüfung.
Das heißt nicht, dass alle Webdesigner abzocken. Die meisten sind ehrliche Profis. Aber es heißt, dass du als Kunde nicht blind vertrauen kannst. Du musst wissen, worauf du achtest. Dieser Artikel zeigt dir die 7 häufigsten Red Flags - und gibt dir eine Checkliste, die du jedem Webdesigner vorlegen kannst, bevor du unterschreibst.
Red Flag 1: Kein Festpreis
„Kommt drauf an.“ „Ist schwer zu sagen, bevor wir nicht angefangen haben.“ „Das hängt vom Aufwand ab.“
Wenn ein Webdesigner dir nach einem 30-minütigen Gespräch keinen Preis nennen kann, ist das ein Warnsignal. Nicht weil Webdesign einfach zu kalkulieren ist - sondern weil es bedeutet, dass er entweder seine eigenen Kosten nicht kennt oder sich bewusst offen hält, um später nachzuberechnen.
Ein erfahrener Webdesigner hat Dutzende ähnliche Projekte gemacht. Er weiß, was eine 5-Seiten-Website für einen Handwerker kostet, was eine Kanzlei-Website braucht, was ein Restaurant erwartet. Er kann einen Festpreis nennen - oder zumindest eine verbindliche Preisspanne mit klarer Obergrenze.
„Kommt drauf an“ ist in Ordnung als erste Antwort. Aber wenn nach dem Erstgespräch, nach dem Briefing, nach der Bestandsaufnahme immer noch kein konkreter Preis kommt: Finger weg. Du wirst am Ende mehr bezahlen als geplant. Garantiert.
Red Flag 2: Du siehst nichts vor der Anzahlung
„Erst die Anzahlung, dann fangen wir an.“ Das klingt logisch. Ist es auch - teilweise. Eine Anzahlung ist branchenwüblich. Aber: Du solltest VOR der Anzahlung zumindest ein Konzept, einen Entwurf oder eine Referenz sehen, die zeigt, wie dein Projekt aussehen wird.
Ein seriöser Webdesigner zeigt dir vorher: ein Moodboard, einen Wireframe, ähnliche Referenzprojekte. Etwas, das dir zeigt, was du für dein Geld bekommst. Wenn die Antwort ist „Vertrau mir, das wird super“ und dann die Rechnung kommt - dann vertraust du blind. Und blind bezahlen ist kein Geschäftsmodell, das für dich funktioniert.
Guter Standard: 50% Anzahlung nach freigegebenem Konzept/Entwurf. 50% nach Fertigstellung. So trägt jede Seite ein faires Risiko.
Wer 100% vorab will, hat kein Interesse an deiner Zufriedenheit.
Red Flag 3: Die Seite gehört dir nicht
Das ist die häufigste und teuerste Falle. Deine Website liegt auf dem Server des Webdesigners. Die Domain ist auf seinen Namen registriert. Oder du hast ein „Website-Abo“ abgeschlossen - solange du zahlst, steht die Seite. Hörst du auf zu zahlen, ist die Seite weg.
Klingt übertrieben? Passiert täglich. Der Webdesigner berechnet 49 Euro im Monat für „Hosting und Wartung.“ Klingt fair. Aber nach 3 Jahren hast du 1.764 Euro bezahlt - und besitzt nichts. Du kannst nicht wechseln, du kannst die Seite nicht mitnehmen, du bist abhängig.
Was du stattdessen willst:
- Die Domain ist auf deinen Namen registriert, bei einem Registrar deiner Wahl
- Du bekommst alle Zugangsdaten (Hosting, CMS, FTP, Domain)
- Die Website-Dateien gehören dir - schriftlich im Vertrag
- Du kannst jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln
Wenn der Webdesigner bei diesen Punkten zögert: Das ist kein Partner. Das ist ein Vermieter.
Red Flag 4: 59-Euro-Template für 3.000 Euro
Premium-WordPress-Templates auf ThemeForest kosten zwischen 39 und 69 Euro. Sie sehen gut aus, sie haben Demo-Inhalte, sie lassen sich anpassen. Und genau das machen manche Webdesigner: Template kaufen, dein Logo einsetzen, Texte austauschen, 3.000 Euro berechnen.
Das ist nicht per se Betrug. Auch ein Template muss konfiguriert werden, Texte müssen geschrieben, Bilder ausgewählt, SEO eingerichtet werden. Das ist echte Arbeit. Aber der Preis muss zur Leistung passen. Und wenn dir jemand „individuelles Design“ verkauft, du aber ein Template bekommst, dann ist das Betrug. Zumindest moralisch.
So erkennst du ein Template:
- Rechtsklick auf die Website, „Quelltext anzeigen“. Suche nach Theme-Namen wie „Avada“, „Divi“, „Astra“, „Enfold“
- Schau dir die Demo-Seite des Themes an - wenn deine Website genauso aussieht, nur mit anderem Logo: Template
- Prüfe den Footer: oft steht dort „Powered by [Theme-Name]“
- Frag direkt: „Ist das ein Template oder individuell programmiert?“ - eine ehrliche Antwort ist ein gutes Zeichen
Templates sind nicht schlecht. Aber du solltest wissen, ob du eins bekommst - und der Preis sollte das widerspiegeln. Mehr zu den Unterschieden: Website erstellen lassen - der vollständige Guide.
Red Flag 5: Keine PageSpeed-Garantie
Ladezeit ist kein Nice-to-have. Google bewertet sie, Besucher spüren sie, Conversion-Raten hängen davon ab. Eine Website die 6 Sekunden lädt verliert die Hälfte der Besucher bevor sie den ersten Satz lesen.
Frag deinen Webdesigner: „Welchen PageSpeed-Score garantierst du?“ Wenn die Antwort ist „Das kann man nicht garantieren“ oder „Das hängt vom Hosting ab“ - dann fehlt entweder das Wissen oder der Wille, eine schnelle Seite zu bauen.
Ein guter Webdesigner kennt die Core Web Vitals, optimiert Bilder, minimiert JavaScript und CSS, nutzt modernes Hosting. Der Score ist messbar - auf PageSpeed Insights kann jeder seine Website kostenlos testen. Wenn der Webdesigner das nicht anspricht, spricht das für sich.
Akzeptables Minimum: 80+ auf Mobile bei Google PageSpeed Insights. Alles darunter ist für eine neue Website nicht akzeptabel.
Red Flag 6: „SEO ist extra“
Suchmaschinenoptimierung ist kein Addon. Grundlegendes SEO ist Teil jeder professionellen Website. Wenn ein Webdesigner dir eine Website baut und dann sagt „SEO kostet nochmal 500 Euro extra“, dann hat er dir eine Website gebaut, die Google nicht richtig lesen kann. Das ist wie ein Auto ohne Räder - und die Räder kosten extra.
Was bei jeder Website inklusive sein sollte:
- Saubere URL-Struktur (keine kryptischen Zeichenfolgen)
- Meta-Titles und Meta-Descriptions für jede Seite
- Korrekte Überschriften-Hierarchie (H1, H2, H3)
- Alt-Texte für alle Bilder
- XML-Sitemap
- Mobile Optimierung
- SSL-Verschlüsselung
- Schema Markup (mindestens LocalBusiness)
Was tatsächlich extra kosten darf:
- Laufende Content-Erstellung (Blogartikel, Ratgeber)
- Linkbuilding
- Monatliche SEO-Betreuung und Reporting
- Google Unternehmensprofil Optimierung
Die technische Basis ist keine Sonderleistung. Wenn jemand das so verkauft, fehlt entweder die Kompetenz oder die Ehrlichkeit.
Wenn SEO extra kostet, fehlt die Kompetenz oder die Ehrlichkeit.
Red Flag 7: Kein Support nach Launch
Die Website ist live. Du findest einen Tippfehler. Du willst eine Telefonnummer ändern. Du brauchst eine neue Unterseite. Du schreibst deinem Webdesigner - und hörst tagelang nichts. Oder: „Das kostet 80 Euro die Stunde.“ Für einen Tippfehler.
Kein Support nach Launch ist einer der häufigsten Gründe, warum Kunden ihren Webdesigner wechseln. Die Website ist nie „fertig.“ Öffnungszeiten ändern sich, neue Leistungen kommen dazu, Fotos werden aktualisiert. Wenn der Webdesigner nach der Bezahlung verschwindet, hast du eine Website - aber keinen Partner.
Was du vorab klären solltest:
- Gibt es einen Support-Zeitraum nach Launch? (Minimum: 30 Tage)
- Was ist in diesem Zeitraum inklusive?
- Was kosten Änderungen danach?
- Wie schnell wird auf Anfragen reagiert?
- Gibt es eine Einweisung, damit du einfache Änderungen selbst machen kannst?
- ✗ Kein Festpreis, „kommt drauf an“
- ✗ Nichts sehen vor der Anzahlung
- ✗ Website gehört dem Designer
- ✗ Template als „individuell“ verkauft
- ✗ Keine PageSpeed-Garantie
- ✗ „SEO ist extra“
- ✗ Kein Support nach Launch
- ✓ Klarer Festpreis nach Briefing
- ✓ Konzept/Entwurf vor Anzahlung
- ✓ Alle Zugangsdaten gehören dir
- ✓ Ehrlich ob Template oder individuell
- ✓ PageSpeed-Score zugesichert
- ✓ Grundlegendes SEO inklusive
- ✓ Support-Zeitraum nach Launch
Checkliste: 10 Fragen die du JEDEM Webdesigner stellen solltest
Druck diese Liste aus. Schick sie per E-Mail. Stell sie im Erstgespräch. Jeder seriöse Webdesigner beantwortet sie ohne Zögern. Wer ausweicht, hat etwas zu verbergen.
Ein guter Webdesigner freut sich über diese Fragen. Sie zeigen, dass du ein informierter Kunde bist. Und informierte Kunden sind die besten Kunden - weil die Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet, nicht auf blindem Vertrauen.
Warum Template nicht gleich schlecht ist
Bevor jetzt der Eindruck entsteht, Templates wären grundsätzlich Betrug: Nein. Ein Template kann eine gute Lösung sein - wenn es ehrlich kommuniziert wird und der Preis stimmt.
Der Unterschied:
- Ehrlicher Template-Anbieter: „Ich nutze ein bewährtes Theme als Basis, passe es an deine Marke an, schreibe die Texte und optimiere für SEO. Festpreis: X Euro.“
- Unehrlicher Template-Anbieter: „Ich designe dir eine komplett individuelle Website von Grund auf. Preis: 3X Euro.“ Und dann kauft er ein Template für 59 Euro.
Das Problem ist nicht das Template. Das Problem ist die Lüge. Und die Lüge kostet dich Geld. Einen detaillierten Vergleich zwischen Baukasten, Template und Custom-Entwicklung findest du hier: Was kostet eine professionelle Website?
Was ein fairer Webdesigner anders macht
Nicht alles in dieser Branche ist faul. Die Mehrheit der Webdesigner arbeitet ehrlich, transparent und mit echtem Handwerk. Ein paar Merkmale, an denen du die Guten erkennst:
- Sie nennen einen Festpreis und halten ihn
- Sie zeigen Referenzen - echte, live, überprüfbar
- Sie erklären von sich aus, was im Preis drin ist und was nicht
- Sie beantworten deine 10 Fragen ohne Zögern
- Sie sprechen DSGVO und Datenschutz von sich aus an
- Sie geben dir alle Zugangsdaten - ohne Diskussion
- Sie sind nach dem Launch noch da - nicht nur bis zur letzten Zahlung
Wenn du drei Webdesigner anschreibst und diese Checkliste durchgehst, wirst du den Unterschied sofort spüren. Der eine wird ausweichen, der andere wird übertreiben, der dritte wird klar und direkt antworten. Nimm den dritten.
Nächster Schritt
Du hast jetzt das Wissen, um einen guten von einem schlechten Webdesigner zu unterscheiden. Du hast 7 Red Flags, auf die du achtest. Und du hast 10 Fragen, die du jedem Anbieter stellen kannst.
Nutze sie. Nicht um Webdesigner zu ärgern - sondern um den zu finden, der dein Geld wert ist.
Wurde dir ein Template als Individualdesign verkauft?
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